Schul-Highlight Berlin: Siegerland-Grundschule - Kleine eTwinner ganz groß
„Nichts hat stärkere Veränderungskraft als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ so lautet das Motto des Schulprogramms der Siegerland-Grundschule im Berliner Bezirk Spandau. Im Jahr 2005 hat die Idee von eTwinning die Schule erreicht und seitdem hat sich Vieles verändert. Von der ersten bis zur sechsten Klassen werden derzeit 421 Schülerinnen und Schüler von 33 Lehrkräften und 13 Erzieherinnen und Erziehern unterrichtet und betreut. Wie viele Schulen in der Hauptstadt hat auch die Siegerland-Grundschule einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Hier sind es hauptsächlich türkisch und russischstämmige Schülerinnen und Schüler. Insgesamt 17 Projekte wurden seit dem Start von eTwinning an der Siegerland-Grundschule durchgeführt. Mit ihrem aktuellen Projekt „A chest full of myths“ hat Christiane Meisenburg, Kunst und IT-Lehrerin, mit Ihren Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse ihr siebtes eTwinning-Qualitätssiegel in fünf Jahren erhalten. Zeit, sich das Erfolgsrezept der Siegerland-Grundschule genauer anzusehen…
Bauen auf Bestehendes; Am Anfang war(s) Comenius
„Über unser Comenius-Projekt bin ich 2005 zu eTwinning gekommen, dafür brauchten wir unbedingt eine Plattform, auf der wir uns austauschen und zusammenarbeiten konnten“, erinnert sich Christiane Meisenburg. Schon seit vier Jahren ist sie selbst eTwinning-Moderatorin im Land Berlin, berät und informiert interessierte Kollegen und leitet Erfahrungsaustauschtreffen für erfahrene Berliner eTwinner. Aber auch für die engagierte Lehrerin war es anfangs wichtig, dass es leicht ist, bei eTwinning mitzumachen: „Es war ganz einfach, wir haben damals unser Comenius-Projekt über eTwinning laufen lassen, wollten aber gleich auch eigene eTwinning-Projekte starten. Ich habe dann mit einigen der Comenius-Kollegen auch noch eTwinning-Projekte durchgeführt.“ ‚Come together’ hieß eines dieser ersten Projekte, das den Teamgeist der Fußball WM 2006 so überzeugend in der Arbeit mit eTwinning spiegelte, dass die Siegerland-Grundschule im Sommer 2006 als erste Berliner Schule mit dem eTwinning-Qualitätssiegel ausgezeichnet wurde.
eTwinning im Lehrplan – Unterstützung von oben ist wichtig
‚Bei uns wurde eTwinning in das schulinterne Curriculum aufgenommen, auch weil wir Masterplan-Schule geworden sind“, erklärt Christiane Meisenburg. Die erfolgreiche Bewerbung beim Berliner eEducation Masterplan, der das Programm eTwinning als eine Linie enthält, schafft eine denkbar gute Vorraussetzung, die Projektarbeit in den Schulalltag einzubinden. Als weitere große Unterstützung empfindet Christiane Meisenburg den Rückhalt, den sie seitens der Schulleitung erhält: „Ganz wichtig ist, dass ich mit eTwinning immer sehr stark unterstützt werde und die Schulleitung immer offen ist, Freiräume für die Projektarbeit zu schaffen.“ Der konkrete Anknüpfungspunkt für eTwinning im Unterricht ist der so genannte Fachschwerpunkt. „ Bei mir als IT-Lehrerin ist der Fachschwerpunkt die Computerarbeit. Dies ist der Ort, an dem eTwinning hauptsächlich zum Einsatz kommt“. Trotzdem werden andere Fächer sowie Kolleginnen und Kollegen laufend einbezogen. Wichtig dabei ist, den Kollegen punktuell Möglichkeiten zu geben, das eTwinning-Projekt zu unterstützen. „So wie bei den Projekttagen“, erzählt Christiane Meisenburg, „da hat meine Englischkollegin bei eTwinning mitgemacht und uns mit der Übersetzung der Texte ins Englische geholfen.“ In Fächern wie Kunst, Deutsch oder Geschichte kommt eTwinning regelmäßig zum Einsatz, so dass zu den heißen Projektphasen manchmal bis zu fünf Wochenstunden eTwinning auf dem Programm stehen.
Digitale Medien und Fremdsprachen: Arbeiten auf Augenhöhe
Vom einfachen E-Mail Kontakt, dem Austausch von Texten und Präsentationen über Chat und Videokonferenzen hat Christiane Meisenburg fast alle denkbaren Werkzeuge in ihren Projekten eingesetzt. „In der fünften und sechsten Klasse ist die Computerarbeit beinahe ein Selbstläufer. Ich bin immer froh, wenn ich weiter bin als meine Schüler.“ Besonders gilt das für den Einsatz neuer Programme und Plattformen. So hat Christiane Meisenburg für das ebenfalls prämierte Projekt „Leseratten“ zusätzlich zur europäischen eTwinning-Plattform die Leseplattform Antolin genutzt. „Beim Ausprobieren von Neuem sind die Schüler teils unglaublich schnell, schneller als ich selber.“ Aus dem gemeinsamen Arbeiten heraus entsteht die Dynamik oft getragen durch die Motivation der Kinder, so die Erfahrung der Lehrerin: „Aus einer Idee heraus kam die die nächste. Die Kinder haben Filme gemacht, kleine Theaterstücke und Hörspiele geschrieben.“
Auch das Fremdsprachenlernen geschieht im Prozess der Arbeit mit eTwinning. Das hat das aktuell mit dem eTwinning-Qualitätssiegel ausgezeichnete Projekt „A chest full of myths“ gezeigt, in dem zur Lesekompetenz des „Leseratten“-Projekts der Erwerb der Fremdsprache Englisch als ein Lernziel hinzukam. Wie beim Medieneinsatz waren auch im Umgang mit der Fremdsprache besonders die Momente auf Augenhöhe ausschlaggebend. „Ich bin keine Englischlehrerin“, erklärt Christiane Meisenburg, „ich mache Fehler und bitte die Englischkollegin um Hilfe. Die Schüler sehen also: Ich stehe auch nicht zu 100 % in der Fremdsprache.“ Selbst wenn über das eTwinning-Projekt Englisch nicht zum Lieblingsfach aller Schüler wird, entscheidend ist die veränderte Sichtweise auf den Stellenwert der Fremdsprache. „Bei der Projektarbeit sehen die Schüler automatisch, wie wichtig es ist, die Fremdsprache zu können.“
Bei so intensiver Projektarbeit fällt der Abschied schwer. Christiane Meisenburgs aktuelle Preisträger-Klasse verlässt die Schule Richtung weiterführende Schule. „Da bin ich natürlich begeistert, wenn ich höre, dass dort auch eTwinning gemacht wird und der Schulleiter sich über erfahrene eTwinning-Schüler besonders freut.“
Autorin: Susanne Mahler
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