Interkulturelle Erfahrungen
Die Lernenden äußerten in Feedbackbögen oder Klassengesprächen regelmäßig, dass sie durch den Kontakt zu den Partnern kulturelle Eigenheiten kennen lernten, die sie vermutlich sonst in ihrem Leben nicht erfahren hätten. Dazu gehörten z. B. Fragestellungen, die gerade Jugendliche ansprechen (z. B. Wochenendgestaltung, Musik, Filme, Schulalltag), aber ebenso wurden Themen von allgemeinem Interesse beleuchtet (z. B. Familie, traditionelle Feste, Wohnsituation). Im Rahmen der aktiven Referate über unser Nachbarland Tschechien bearbeiteten beispielsweise zwei Schülerinnen das Thema „Essen und Trinken“, spontan bereicherten sie ihren Vortrag kulinarisch durch leckeres Gebäck, das sie nach tschechischem Rezept ihrer Partnerinnen gebacken hatten.
Vorurteile überwunden
Als Lehrkräfte konnten wir beobachten, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gewisse Hartnäckigkeit entwickelten. Selbst wenn die Antwort auf eine E-Mail einmal verspätet oder gar nicht kam, verloren sie trotzdem nicht die Freude am Schreiben, sondern animierten die tschechischen Schülerinnen und Schüler auf andere Weise zum kulturellen Austausch. Auch ein gewisses Maß an zunehmender Toleranz und Geduld mit den Begebenheiten außerhalb des eigenen Heimatlandes konnten wir beobachten.
Gerade die Ergebnisse der Kartenabfragen zu Deutschland und Tschechien erhitzten die Gemüter beider Schülergruppen stark. Die Reaktionen auf die auftauchenden Vorurteile reichten von überrascht bis nahezu persönlich beleidigt und empört. „Wir sind doch keine Nazis!“, Oh, wir sind überall im Ausland berühmt für Mercedes und Bier!“, „Igitt, ich mag gar kein Sauerkraut!“, „Das können die doch nicht ernst meinen!“, waren nur einige Statements unserer Klasse. Unsere Lernenden erkannten hier ganz klar, dass noch viel Arbeit nötig ist, um diese Vorurteile zu überwinden. Erfreulicherweise war eine sehr häufig genannte Schlussfolgerung der Klasse, dass Vorurteile am besten durch persönlichen Kontakt zu Personen anderer Nationalitäten abgebaut werden können.
Die Welt ist ein Dorf
Als gelungenen Höhepunkt zum Schuljahresende gelang es uns schließlich, unsere Partnerklasse an einem Tag in Prag zu treffen. Hierbei führten die Lernenden eine gemeinsame Stadt-Rallye durch, wobei die Teams jeweils aus deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schülern bestanden, die sich zuvor auch schon per E-Mail und Chat kennen gelernt hatten. Zum Glück fanden sich die Teams nach kleineren Anfangsschwierigkeiten und Berührungsängsten recht schnell. Die Rallye machte den Schülerinnen und Schüler viel Spaß, war zugleich jedoch auch eine Herausforderung. Mit Freude konnten wir an dieser Stelle feststellen, dass viele Lernende sehr sozialkompetent waren und Sprach- und Verständigungsprobleme leicht lösen konnten. Einige Bekannt- und Freundschaften konnten in Prag vertieft werden, so dass auch nach Schuljahresende unsere Projektidee „weiterlebt“!
Eine kleine Anekdote zu diesem Projekt, die nur mich betrifft: Der Mädchenname unserer tschechischen Kollegin ist auch Hecht – die Welt ist so klein! Wir recherchieren nun nach gemeinsamen Vorfahren und sind gespannt, ob wir vielleicht durch eTwinning Verwandte „geworden sind“!




