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Projekt des Monats Dezember 2005

Lernen für den Beruf in Europa

Wie eTwinning beim Berufseinstieg hilft

 
Flaggen

In enger Zusammenarbeit geben die Private Wirtschaftsschule Krauß in Aschaffenburg und ihre ungarische Partnerschule Veszprémi Közgazdasagi Szakközepiskola ihre jeweiligen Wirtschaftsmagazine heraus. Ergebnis sind die „Business News“ und die „Közgaz News“. Das Beispiel dieser Partnerschaft zeigt einen möglichen Weg, wie Schulen junge Menschen auf den Berufseinstieg in Europa vorbereiten können und wie sich eTwinning dabei einsetzen lässt. Mit Claus Kolb, Business News und eTwinning Projektleiter, sprach die eTwinning Redaktion. 


Herr Kolb, was lernen junge Menschen bei Ihnen für ihren Berufseinstieg?

„Als Wirtschaftsschule in Bayern bereiten wir unsere Schülerinnen und Schüler auf weiterführende Schulen oder eine Ausbildung vor. Deshalb erhalten sie bei uns vor allem eine sehr fundierte und intensive kaufmännische Grundausbildung in Rechnungswesen, Betriebswirtschaft und Datenverarbeitung. Basis ist eine allgemeine Grundausbildung in Sprachen und Mathematik und so genannte „Übungsfirmen“. Übungsfirmen sind ähnlich wie Schülerunternehmen organisiert. Hinzu kommt bei uns Projektarbeit. Beide sollen das Lernen an der Wirklichkeit fördern. So können Schülerinnen und Schüler am besten kaufmännische und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen.“

 

Welche Kompetenzen wollen Sie jungen Menschen vermitteln, auch im Hinblick auf „Europa“?

„Neben den fachlichen Grundkompetenzen und Projektmanagement vor allem persönliche und soziale Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein für das eigene Handeln, Sorgfalt und Pünktlichkeit, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, eigene Ideen zu entwickeln. Im Hinblick auf „Europa“ sind darüber hinaus Sprachen bedeutend und die Möglichkeit, sich mit der Komplexität und Vielfalt in Europa auf wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Ebene auseinanderzusetzen. Und natürlich der richtige Umgang mit den Medien.“

 

Wie vermitteln Sie jungen Menschen diese Fähigkeiten?Gruppenfoto

„Es gibt bei uns - wie bereits erwähnt - vor allem zwei Wege: die Übungsfirmen, die bei uns Wahlpflichtfach sind und die Projektarbeit. Hier können Schülerinnen und Schüler selbst ein Projekt auswählen, sei es Klettern, Kochen, Sprachförderung von ausländischen Kindern im Kindergarten oder das Schülercafé. Uns ist es wichtig, dass die Projektarbeit möglichst vielseitig ist. Zu jedem Projekt gehört, dass sich Schülerinnen und Schüler selbstständig organisieren, d. h. sich dem Thema nähern, einen Plan machen und dann jeden einzelnen Schritt eigenständig gehen.Alle Projekte haben natürlich einen wirtschaftliche Bezug, wie z. B. Sponsoren zu finden, um die Kosten für das Projekt zu decken. Auch die Business News ist ein solches Projekt und versteht sich als Schülerunternehmen mit eigener Finanzverantwortlichkeit. eTwinning bietet die Chance, uns laufend mit unseren ungarischen Partnern zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Themen auszutauschen. So lernen unsere Schülerinnen und Schüler gleichzeitig den richtigen Umgang mit Internet und E-Mail in der praktischen Arbeit. Das Wunderbare für mich ist zu sehen, wie sich in solchen Projekten eher stille Schülerinnen und Schüler zu kreativen Köpfen und Managern entwickeln.“ 

 

Haben Sie durch eTwinning die Chance, neue Kompetenzen zu vermitteln?

„Bisher nutzen wir vor allem das Internet und E-Mails. Das liegt vor allem daran, dass E-Mails einfach flexibler sind. Ich muss als Lehrer nicht speziell etwas vorbereiten, wie z. B. bei einer Videokonferenz. Und die deutschen und ungarischen Schülerinnen und Schüler können parallel an ihren Zeitungen arbeiten und müssen sich nicht wie beim Chat oder einer Videokonferenz zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen. Für mich bedeutet Medienkompetenz vor allem Kommunikationskompetenz. Im Beispiel der Business News halten zwei Schüler per E-Mail ständigen Kontakt mit den verantwortlichen Lehrkräften und den Partnerschülern. So lernen sie, sich klar und deutlich und gleichzeitig freundlich mit unterschiedlichen Zielgruppen einer anderen Kultur zu verständigen.“

 

Wie vermitteln Sie im Rahmen der Business News wirtschaftliche, soziale und kulturelle Themen im europäischen Kontext? Können Sie ein Beispiel nennen?

„Für die Schuljahre 2006 und 2007 haben wir in unserer Schule eine „Ungarisch-deutsche Weinkultur Tour“ geplant. Schließlich ist Wein ein Kulturgut und existiert schon seit tausenden von Jahren in Europa - also ein europäisches Thema. Schülerteams aus den Redaktionen der Business News werden sich intensiv mit dem Thema „Wein“ beschäftigen. Die Ergebnisse stellen sie dann in einer Serie in der Business News vor. Mit diesem Projekt wollen wir zum einen Grundlagen vermitteln, warum Wein ein europäisches Kulturgut ist, wie es sich historisch entwickelt hat, wie Wein vermarktet wird und warum italienische und französische Weine relativ teuer und ungarische Weine eher preisgünstig sind. Zum andern geht es auch um Festivitäten, also kulturelle Aspekte. Der Austausch der Artikel erfolgt in Deutsch und Englisch. Zum Teil werden die deutschen Artikel auch von ungarischen Schülern ins Ungarische übersetzt. Höhepunkt des gemeinsamen Projekts werden zwei Schüleraustauschprogramme sein, in deren Rahmen die Schülerinnen und Schüler an einer Weinlese teilnehmen sowie verschiedene Betriebe und die einzelnen Regionen vor Ort kennen lernen.“

 

 

Projektleiter Claus KolbSie haben eine ungarische Schule als Partner für Ihr eTwinning Projekt gewählt. Warum?

„Unsere Partnerschaft mit der Schule in Veszprém besteht bereits seit 1995 und ist über persönliche Kontakte entstanden. Veszprém ist auch eine Wirtschaftsschule und passt hervorragend zu uns. Seit letztem Jahr gibt es dort auch ein eigenes Wirtschaftsmagazin. Anfangs haben wir hauptsächlich Wirtschaftsthemen und allgemeine Themen wie Länderkunde behandelt. Doch mit dem EU-Beitritt kamen auch EU-Themen hinzu und wir haben aufmerksam mitverfolgt, was sich dort für die Menschen verändert hat.“


Welche Vorteile haben junge Menschen, wenn sie mehr über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge in Ungarn oder in Europa wissen?

„Ich würde das nicht speziell auf Ungarn beziehen. Schülerinnen und Schüler sollen einfach einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus werfen können. Osteuropäische Länder sind natürlich besonders interessant, weil sie sich in einer großen Umbruchphase befinden. Erstaunlich war für uns festzustellen, dass sich Ungarn und Deutschland gar nicht so sehr unterscheiden. Wir haben ähnliche Themen, seien es die demographische Entwicklung oder unsere Sozialversicherungssysteme. Durch die Zusammenarbeit mit unserer ungarischen Partnerschule werden unsere Schülerinnen und Schüler mit anderen Kulturen vertraut. Das macht sie in ihrem Denken und Handeln flexibler – eine wichtige Voraussetzung für das Leben und Arbeiten in Europa. Wichtig ist für junge Menschen das grundsätzliche Verständnis dafür, dass wir andere europäische Länder von unserer Arbeit profitieren lassen und gemeinsam etwas Gutes entwickeln können.

 

Was ist für Sie das Wichtigste im eTwinning Projekt?Gruppenfoto

Mit eTwinning haben wir für unsere Business News einen europäischen Rahmen und eine Plattform zum Erfahrungsaustausch. Hier sehen wir, was sonst noch an europäischen Projekten läuft und können uns inspirieren lassen. Und wir finden hoffentlich weitere Partnerschulen, um unserem Ziel eines europäischen Schülermagazins noch einen Schritt näher zu kommen.“

 

Herr Kolb, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Bettina Zeidler 
 

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