Projekt des Monats März 2007
Auf den Spuren der Loreley und der Melusina
eTwinning-Nachbarn entdecken ihre regionalen Sagen und Legenden
Wer kennt die Geschichte von der Loreley, dem Schinderhannes, der weißen Frau von Dagstuhl oder der Melusina? Die Schülerinnen und Schüler der luxemburgischen École Primaire Erpeldange und der Erweiterten Realschule Weiskirchen sind bestens darüber informiert, seitdem sie eine eTwinning-Schulpartnerschaft haben. Wie dies in der Praxis aussieht hat die eTwinning-Redaktion im Interview mit Günter Peifer, Schulleiter und eTwinning-Projektleiter der Erweiterten Realschule in Weiskirchen, herausgefunden.
eTwinning-Redaktion: „Herr Peifer, warum haben Sie ein eTwinning-Projekt an Ihre Schule geholt?“
Günter Peifer: „Wir haben bereits einige Erfahrungen im Thema E-Learning im Rahmen unseres Comenius-Projektes ‚Using ICT to support and enhance Teaching and Learning’ gesammelt. Im letzten Jahr haben wir uns dann bei eTwinning angemeldet, denn die eTwinning-Plattform unter www.etwinning.net bietet sich ideal zum Austausch an. Wir suchen ständig nach neuen Themen. So haben wir uns gemeinsam mit unserer eTwinning-Partnerschule in Luxemburg für das Thema „Sagen und Legenden“ entschieden.“
eTwinning-Redaktion: „Warum gerade dieses Thema?“
Günter Peifer: „Bei der Themenauswahl ist es uns wichtig, dass sie ins Curriculum passen und sich fächerübergreifend nutzen lassen. So fällt das Thema Sagen und Legenden beispielsweise in die Fächer Deutsch, Geschichte, Englisch und Kunst. Außerdem ist Luxemburg zu uns so nah und es ist spannend für uns, mehr über unsere Nachbarn zu erfahren. Inzwischen haben wir auch andere Partner in unser Projekt eingeladen und so haben wir jetzt auch Beiträge aus Rumänien, Spanien und Schottland erhalten.“
eTwinning-Redaktion: „Was ist Ihnen bei der Umsetzung Ihres eTwinning-Projektes besonders wichtig?“
Günter Peifer: „eTwinning-Projekte sollen im Unterricht wesentliche Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler fördern, wie beispielsweise ihre Kommunikations- und Teamfähigkeit und gleichzeitig auf lebendige Weise Fachwissen vermitteln. Sie fördern die Unterrichtsvermittlung und belasten nicht, weil sie in den Unterricht eingebunden sind.“
eTwinning-Redaktion: „Wie stimmen Sie sich mit Ihrer Partnerschule ab?“
Günter Peifer: „Viel läuft online. Außerdem hatten wir bereits vier Projekttreffen gemeinsam mit meinem luxemburgischen Kollegen Yves Desbordes und einigen unserer Schülerinnen und Schüler. Die örtliche Nähe bietet sich dafür einfach an. So haben wir auch ein gemeinsames Theaterstück geplant.“
eTwinning-Redaktion: „In welcher Sprache unterhalten Sie sich?“ 
Günter Peifer: „Mit den Luxemburgern auf Deutsch und auch auf Platt. Durch die regionale Nähe gibt es keine Hemmschwellen und keine Berührungsängste. Mit den anderen Projektpartnern kommunizieren wir in Englisch.“
eTwinning-Redaktion: „Das heißt, die kulturellen Unterschiede sind gar nicht so groß?“
Günter Peifer: „Genau. So große Unterschiede gibt es in Europa wirklich nicht. Was uns allerdings beeindruckt hat, ist die Situation in Rumänien und der Ehrgeiz der jungen Leute. Sie wissen, dass Bildung und Leistung ihr Kapital für die Zukunft sind, um besondere Anerkennung zu erlangen.“
eTwinning-Redaktion: „Wie organisieren Sie das eTwinning-Projekt in Ihrer Schule?“
Günter Peifer: „ Die 30 Lehrkräfte arbeiten im schulischen Alltag sehr eng zusammen. So ist es auch leicht realisierbar, möglichst viele für Projekte wie eTwinning zu gewinnen. Dadurch erreichen wir auch immer eine große Zahl unserer 540 Schülerinnen und Schülern von der fünften bis zur zehnten Klasse. Durch die gute Zusammenarbeit profitieren wir gegenseitig von unserer Arbeit.“
eTwinning-Redaktion: „Wie sieht das im Unterricht aus?“
Günter Peifer: „Am Anfang steht immer die Idee. Was können wir einbringen? Dazu sammeln wir gemeinsam Vorschläge an der Tafel und wählen dann einen aus. Danach überlegen sich die Schülerinnen und Schüler in Teams, wie sie an die Informationen kommen, wie sie diese aufbereiten und welche Medien sie dazu nutzen. Dabei entscheidet sich auch, welche Fächer wir einbinden wollen, um das Projekt umzusetzen.
eTwinning-Redaktion: „Können Sie das noch genauer beschreiben?“
Günter Peifer: „Um das Beispiel des Schinderhannes zu nennen: Zuerst haben die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht recherchiert und eine thematische Struktur entwickelt, dann die Texte im Deutschunterricht vorgeschrieben und schließlich im Englischunterricht übersetzt und als PowerPoint-Präsentation aufbereitet. Manchmal übernehmen auch die älteren Schülerinnen und Schüler die Informationsaufbereitung und die jüngeren malen dazu Bilder. Es geht wirklich darum, Dinge zu integrieren und nicht zusätzlich zu machen.“
eTwinning-Redaktion: „Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?“
Günter Peifer: “Wir wollen uns gern öfters per Videoschaltung mit den Partnerschulen austauschen, denn der fast unmittelbare Kontakt ist für die Kommunikation wichtig. Neben dem Theaterstück haben wir das Thema ‚ Birds of our region’ angedacht.“
eTwinning-Redaktion: „Gibt es ein Geheimrezept, das Sie anderen Schulen mitgeben wollen, die ein eTwinning-Projekt durchführen wollen?“
Günter Peifer: “ Ich versuche, in allen Projekten die Balance zwischen Innovation und Machbarkeit zu finden. Zum einen ist es wichtig, innovativ zu sein, um in der Region als Schule Akzeptanz zu haben. Innovative Unterrichtskonzepte, Medienarbeit und internationale Kontakte spielen dabei eine große Rolle. Zum anderen sollen Projekte beim Lehren und beim Lernen unterstützen. Deshalb ist die einfache Integration in den Unterricht wichtig. So bleibt die Motivation auf allen Seiten erhalten.“
Das Gespräch führte Bettina Zeidler
Mehr dazu:
Schulhomepage der Erweiterten Realschule Weiskirchen
Homepage des Projekts
Zu den Legenden



