Projekt des Monats Juli 2007
Jugend und Wirtschaft
Von Kinderschokolade bis Traumberuf – Mit eTwinning wird Wirtschaft erlebbar
Welche Produkte kennen wir aus Norwegen und Deutschland? Wie kommerziell ist Weihnachten? Und welche Traumberufe haben deutsche und norwegische Schülerinnen und Schüler? Diesen und anderen Fragen gehen die Integrierte Stadtteilschule an der Bergiusstraße in Bremen und die Frogn videregående skole in Norwegen nach. Für ihren Austausch nutzen sie TwinSpace, Video und Weblog (Blog).
Die Idee zu diesem Projekt kam Daniel Weber, Lehrer für Arbeitslehre an der Integrierten Stadtteilschule Bergiusstraße, nachdem er im TwinFinder Astrid Petersen, Deutschlehrerin an der Frogn videregående skole, gefunden hatte. Daniel Webers 9. Klasse stand damals kurz vor dem Praktikum. „Da habe ich gedacht ‚tolles Thema’, mit dem Wirtschaft in Europa für junge Menschen erlebbar wird“, erzählt der engagierte Lehrer. Auch für die Norweger bot sich das Thema an, um im Fach Deutsch eine Verbindung zum Thema „Economy“ zu schaffen.
Internationale Erfahrungen für den Berufsstart
Seitdem arbeiten 20 deutsche und 37 norwegische Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren zusammen an den unterschiedlichsten Themen. Gemeinsam wollen sie die Kultur und Wirtschaft sowie das Leben von Jugendlichen in einem anderen europäischen Land kennenlernen. „In einem Jahr werden meine Schüler in den Beruf gehen“, so Daniel Weber. „Internationale Erfahrungen sind für einen guten Start von grundlegender Bedeutung. Außerdem gehen immer mehr Deutsche ins Ausland, auch nach Norwegen.“ Während es bei den deutschen Schülern primär darum geht, Norwegen als Wirtschaftsstandort kennenzulernen und sich selbst zu präsentieren, sollen die norwegischen Schüler vor allem ihre Deutschkenntnisse verbessern. Als Projektsprachenwerden deshalb sowohl Deutsch, als auch Englisch genutzt.
Wirtschaft mit persönlichem Bezug
Die gemeinsame Arbeit rankt sich um die Wirtschaft in Deutschland und Norwegen. Natürlich geht es hierbei auch um das Angebot in beiden Ländern. So gingen die deutschen Schüler der Frage nach,
welche norwegischen Produkte sie kennen. Die interessante Feststellung: Während es unzählige Produkte aus Dänemark und Schweden gibt, fehlen norwegische gänzlich. Ähnlich verhält es sich mit deutschen Produkten auf dem norwegischen Markt. Außer der Kinderschokolade, sind diese eher rar gesät, da vor allem englische und amerikanische Produkte angeboten werden. Auch kulturelle Ereignisse bieten sich für eine wirtschaftliche Betrachtungsweise an. Dazu haben sich die Schüler mit „Weihnachten zwischen Kultur und Kommerz“ auseinander gesetzt und damit wie sie Weihnachten erleben. Besonders spannend und hilfreich war jedoch das Thema „Was ist mein Traumberuf?“: Was denken und wünschen sich Jugendliche aus anderen europäischen Ländern? Verschiedene Sichtweisen können dabei helfen, eigene Wünsche zu überprüfen und Perspektiven zu erweitern.
Das „Top-Erlebnis“ – ein eigener Videofilm
Für die Zusammenarbeit nutzen die Schüler den TwinSpace. Hier laden sie ihre Dokumente in Form von Textdokumenten und Präsentationen hoch. Außerdem nutzen sie rege den Chat, das Forum und einen Weblog. „Doch mein Top-Erlebnis war“, erzählt Daniel Weber, „als ich den Schülern gesagt habe, ich würde den Norwegern gern vor ihrem ersten Besuch bei uns einen Film über Bremen schicken. Wir hatten dazu nur sechs Wochen Zeit. Ich habe sie einfach auf das Thema losgelassen und sie haben etwas Tolles daraus gemacht.“
Der Lehrer hat das Drehbuch geschrieben, die Schüler haben Informationen zu Bremen gesammelt und je nach Interessen in verschiedenen Teams daran gearbeitet. Eine kleine Gruppe hat gedreht, geschnitten und moderiert. Hilfe zum Filmen kam von einem erfahrenen Schüler und einem MakeMedia-Studio.
Ruhm und Ehre sind Motivation genug
Da die Tonqualität des ersten Films schlecht war, haben sich fünf Schüler dazu entschieden, den ganzen Film noch einmal zu drehen. Voller Elan haben sie in ihrer Freizeit und mitten in der Nacht daran gearbeitet. Dieses Mal jedoch mit einem richtigen Mikrofon. „Allen war dabei klar, dass es nur um Ruhm und Ehre geht. Und darum, gemeinsam an einem Thema zu arbeiten“, sagt Daniel Weber begeistert. „Für mich ist es ein tolles Erlebnis, wenn ich merke, die Schüler haben sich voll und ganz für etwas entschieden und ich habe die Schüler dabei richtig unterstützt.“ Die vielen Schweißperlen wurden belohnt: die deutsche und norwegische Klasse haben jeweils das nationale eTwinning-Qualitätssiegel und damit auch das europäische Siegel erhalten.
Die Schüler haben eine Menge gelernt
„Ich fand es gut dass man am PC arbeiten und dadurch einen Teil der Aufgaben von zuhause aus machen konnte. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt und würde das Projekt gerne fortsetzen“, meint der 17jährige Torben, Schüler der IntegriertenStadtteilschule an der Bergiusstraße. Dass die Mehrheit der Schüler für eine Fortsetzung des Projektes ist, hat Daniel Weber nicht nur an ihrer Begeisterung gemerkt, sondern auch in einer Evaluation unter seinen Schülern herausgefunden. Und so will er im September nach Oslo fahren, um mit der Schulleiterin zu sprechen, wie das Projekt weiter gehen soll. Daniel Weber träumt davon, eine Wanderausstellung zu machen. Und schließlich werden Träume mit eTwinning immer wieder wahr.
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
Projektseite im TwinSpace
Homepage der deutschen Schule
Homepage der norwegischen Schule
Evaluation des Projektes



