Projekt des Monats Dezember 2007
Christmas traditions in different countries
Wer weiß, was in Tschechien, Portugal, Litauen, Rumänien und anderen europäischen Ländern zu Weihnachten auf den Tisch kommt, wie der Tannenbaum geschmückt wird und wie die Menschen Weihnachten erleben? Gemeinsam mit inzwischen sieben Partnerschulen hat sich die Erich Kästner Realschule in Hermeskeil auf die Erkundung der weihnachtlichen Traditionen in Europa begeben. Dazu nutzen sie Präsentationen, Fotos, Foren, E-Mails, Chats und Videokonferenzen.
Was mit der portugiesischen Partnerschule Eb 2/3 Patrício Prazeres klein anfing, hat sich zu einem wahrhaft europäischen Projekt entwickelt. Inzwischen haben sich Schulen aus Litauen, Polen, der Slowakei, aus Spanien, Rumänien und Tschechien dem Projekt "Christmas traditions in different countries" angeschlossen, das im rheinland-pfälzischen Hermeskeil seinen Anfang nahm.
Kulturen verstehen und Einstellungen verändern
„Ich war immer davon überzeugt, dass Projekte wie eTwinning wesentlich dazu beitragen, Europa und andere Kulturen zu verstehen und Einstellungen zu verändern“, sagt Astrid Hofmann, Lehrerin für Biologie und Englisch an der Erich Kästner Realschule. Der kulturelle Aspekt ist für sie ein wichtiges Projektziel. Darüber hinaus sollen die 13- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler ihre Englisch-kenntnisse und Computerkompetenzen erweitern.
„Hauptsache kommunizieren“
Auch die Schüler der 10 d und des „English Club“, einer Englisch AG mit Schülern zwischen 13 und 15 Jahren, waren von der Idee begeistert. „Sich mit gleichaltrigen Partnerschülern aus anderen Ländern auszutauschen, macht neugierig und übt eine große Faszination auf junge Menschen aus. Hauptsache kommunizieren“, erzählt die deutsche Lehrerin. „Das Thema war ihnen gleich.“ Über „Christmas Traditions“ kann fast jeder sprechen. Und es löst sehr persönliche Gefühle, Gedanken und Erinnerungen aus, über die sich leicht ein Austausch beginnen lässt. „Das Thema ist etwas, das ich schon erlebt habe, dadurch kann ich besser mitmachen“, bestätigt Schülerin Nina, 15 Jahre.
Vorurteile durch direkten Austausch aus dem Weg räumen
„Alle Schüler sind im TwinSpace angemeldet. Auf diese Weise können sie jederzeit aktiv und selbstständig arbeiten“, erklärt sie. „Dabei sollen sie selbst ihren Weg finden und sich mit ihren Partnerschülern austauschen, wann immer sie wollen.“ Diese Freiheit nutzen die Schüler inzwischen, um sich auch privat zu schreiben. Genau das ist gewollt. Denn wie lassen sich Vorurteile besser aus dem Weg räumen, als durch direkten Austausch? Von ihren osteuropäischen Partnern hatten sie kaum eine Vorstellung oder ein anderes Bild und waren überrascht zu sehen, wie kompetent die tschechischen Schüler im Englischen sind, wie ähnlich sie fühlen und denken und dass sich ihre Interessen von denen der deutschen Partner wenig unterscheiden.
eTwinning als Methode für selbst gesteuertes Lernen
Im Moment arbeitet Astrid Hofmann in ihren Englischstunden nur mit eTwinning. In der zehnten Klasse geht es schließlich nicht darum, ein Buch abzuarbeiten. Es geht um Kompetenzen und das Ergebnis ist wichtig. Und eTwinning eignet sich hervorragend für selbst gesteuertes Lernen, wo alle Schüler etwas tun und aktiv sind. „Man muss selbstständiger und kreativer arbeiten“, meint Kristina, 15 Jahre. „(…) Ich möchte später aufs Gymnasium wechseln und ich denke, dass ich damit auch meine Englischkenntnisse auf interessante Art und Weise verbessern kann."
Rege Kommunikation: Forum, Powerpoint, E-Mail und Chat
Als „warm up“ haben alle Schüler und Partnerschüler im Forum des TwinSpace aufgeschrieben, was sie ganz persönlich mit Weihnachten verbinden. Eine Hausaufgabe bestand darin, alle Texte zu lesen. Dadurch haben sie einen groben Überblick über Weihnachten in anderen europäischen Ländern und erste Eindrücke ihrer Partnerschüler erhalten. Danach hat jede Klasse die acht besten Beschreibungen aus dem eigenen Land gewählt. Dabei ging es lediglich um den Inhalt, nicht um Länge oder Fehler. Einer der Schüler hat aus diesen Texten eine Powerpoint-Präsentation erstellt und im TwinSpace veröffentlicht. Der English Club hat anschließend zu den acht Texten Fragen für die Partnerschulen entwickelt und diese am Schluss der Präsentation integriert. So konnten die Partnerschüler für sich selbst überprüfen, ob sie die „Christmas Traditions“ des jeweiligen Partnerlandes verstanden haben. Offene Fragen haben sie direkt per E-Mail mit den Autoren der Texte geklärt. Daraus entstand eine rege Kommunikation unter den Schülern. Mittlerweile mailen und chatten die Schüler sogar in ihrer Freizeit.
Etwas Chaos macht nichts – die Schüler werden es lösen
„Wir haben uns das erste Mal nachmittags im Chat getroffen“, berichtet die Lehrerin. Manche haben sich vom Computerraum, manche von zuhause aus eingeloggt. Jeder Schüler hat vorher einen bis drei Partner bekommen. Allerdings konnte dann der ein oder andere Schüler nicht teilnehmen. „So war es trotz guter Planung etwas chaotisch. Doch die Schüler haben alle Probleme wunderbar gelöst. Sie sind ja in Computerfragen oftmals noch fitter als die Lehrer“, fährt die Lehrerin schmunzelnd fort. Den Chat finden die Schüler besonders „cool“. Deshalb ist schon der nächste mit der portugiesischen Schule geplant. Auch eine Audiokonferenz steht auf dem Programm.
Jeder in seinem Rhythmus
Nicht alle Schulen sind im Projekt gleich weit. Doch das macht nichts. Es findet sich immer eine Schule, mit der es im ähnlichen Rhythmus weiter geht. Momentan arbeitet die Erich Kästner Realschule sehr intensiv mit der tschechischen Partnerschule zusammen. Themen gibt es schließlich genug: Weihnachten früher und heute, Weihnachtsvorbereitungen, Weihnachts-atmosphäre etc. Für die Umsetzung haben die Schüler die Freiheit, sich selbst in Teams zu finden, Themen auszuwählen, diese selbstständig mit Medien ihrer Wahl zu bearbeiten und dann in die Themenordner im TwinSpace einzustellen. Die Kollegen Horst Haas, Musiklehrer, und Christoph Braun, ICT-Experte, werden die Klasse 10d und den English Club dabei weiterhin unterstützen.
„Sie wissen, da kümmert sich jemand ganz viel drum“
Das Motivierende für die Schüler ist, dass andere Jugendliche die Texte für sie geschrieben haben und dass sie wissen, dass ihre Texte auch mit ähnlichem Interesse gelesen werden. „Es ist nicht einfach so ein Text aus dem Englischbuch, der für irgendjemand geschrieben wurde. Und sie erhalten Rückmeldung auf ihre Texte und korrigieren gegenseitig Verständnisfragen. Sie wissen, da kümmert sich jemand ganz viel drum“, sagt Astrid Hofmann begeistert.
eTwinning als Teil des Qualitätsprogramms
Der gemeinsame Besuch mit der tschechischen Partnerschule auf dem Prager Weihnachtsmarkt steht vorerst nur auf dem Wunschzettel. Doch fest steht, dass eTwinning im Rahmen der selbst verantwortlichen Schule als Methode im Qualitätsprogramm der Erich Kästner Realschule verankert ist. Und so lassen sich ja vielleicht noch manche Träume verwirklichen. Das Lernen hat sich auf jeden Fall deutlich verändert, wie Schülerin Jamie, 15 Jahre meint: „Man lernt viel besser, weil es einem Spaß macht, neue Sachen kennen zu lernen, die man sonst wahrscheinlich nur in einem langweiligem Unterrichtsstoff hätte erfahren können.“ Und so sind die Schüler in Hermeskeil nun um vieles reicher und wissen wie auch Kristina, was zu Weihnachten in anderen Ländern Europas auf den Tisch kommt: „Während es in Deutschland bei vielen Familien Raclette gibt, isst man in Portugal Dorsch mit Kartoffeln und Kohl oder in Tschechien Fisch mit Kartoffelsalat.“
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
Homepage der Erich Kästner Realschule
Christmas traditions in different countries (Projekthomepage)
Folgende Schulen sind am Projekt beteiligt
Colegio San Gabriel (Spanien)
Zespól Szkól Ogólnoksztalcacych w Helu (Polen)
Scoala cu clasele I-VIII nr.15 (Rumänien)
Základná škola Krásno nad Kysucou (Slowakei)



