Projekt des Monats Dezember 2008
Twinny's Journey: Ein Gartenzwerg geht auf Europareise
Inspiriert vom Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ trat vor einigen Monaten Gartenzwerg Twinny seine Reise durch Europa an. Seine Reise begann in Belgien und führte ihn über Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Rumänien, Portugal und Norwegen bis zum Helene Lange Gymnasium nach Hamburg. In jedem Land besucht Twinny die Schulklassen und lernt auch das außerschulische Leben der Schülerinnen und Schüler kennen. Er macht Wochenendausflüge, Sightseeing und begleitet die Schüler zum Sport. Alle Erlebnisse halten die Partnerschüler in Twinnys Tagebuch mit Fotos und Texten fest.
Jeder kennt ihn, der „Die wunderbare Welt der Amélie“ gesehen hat: den Gartenzwerg. Von seiner virtuellen Weltreise sendet er Amélies Vater Fotos von sich und den lokalen Sehenswürdigkeiten. So einfach die Idee ist, so bezaubernd und inspirierend ist sie für die 11- bis 12jährigen Schülerinnen und Schüler des Helene Lange Gymnasiums in Hamburg.

Twinny sorgt für Motivation und Bewusstsein
„Wir brauchten einen Inhalt, der darüber hinaus geht, einfach zu fragen ‚Wer seid ihr und wie lebt ihr?’“, berichtet Gratia Wohlgemuth, Lehrerin für Englisch und Geographie am Helene Lange Gymnasium in Hamburg. „Mit Twinny motivieren wir die Schüler und ermöglichen ihnen, sich über viele unterschiedliche Erfahrungsbereiche auszutauschen. Auf dieser Basis erlangen sie ein umfassendes Bewusstsein für Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Schülern verschiedener europäischer Länder.“
Twinny und die Spuren seiner Reise
Twinny kam per Post aus Norwegen zum Helene Lange Gymnasium. Auf seiner Reise war ihm unglücklicherweise ein Bein abgefallen. Deshalb sorgten die Hamburger Schüler zunächst dafür, dass er wieder ganz auf die Beine kam. Inzwischen besaß Twinny auch eine Gitarre. Diese hatten die portugiesischen Partnerschüler gebastelt und ihre Unterschriften darauf verewigt. Dass Twinny so real ist und die Spuren seiner europäischen Reise sichtbar sind, verbindet die Schüler und macht sieneugierig, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Dabei hilft ihnen das Online-Tagebuch „Twinny’s Journey“. Hier lässt sich alles zu seinen Blessuren, Veränderungen und Erlebnissen aufdecken.
Perspektivwechsel: Twinnys Erfahrungen woanders und in Hamburg
Genau das ist auch die erste Aufgabe der 28 „Twinny-Schüler“ des Helene Lange Gymnasiums. In Teams durchforsten sie länderbezogen Twinny’s Reiseberichte im Online-Tagebuch und präsentieren danach mithilfe von Bildern ihre Ergebnisse vor der Klasse. Die nächste Aufgabe: "Twinny’s first thoughts when he came to Germany". Hier geht es darum, einen Perspektivwechsel zu erzeugen und einen Blick auf die Besonderheiten und Eigenheiten in Deutschland zu gewinnen. Dazu haben sich die Schüler in Twinnys Rolle versetzt und dessen Eindrücke und Gedanken beschrieben. Sie sprachen über Twinnys beschwerliche Reise, den netten Empfang in der Klasse 6b und darüber, dass er sich freue, bald nicht mehr so viel unterwegs zu sein.
Viel Freiraum und natürlicher Umgang mit der Fremdsprache
Nun beginnt Twinnys Reise durch Hamburg und Umgebung. Dazu plant die Klasse gemeinsam, was Twinny in Hamburg erleben soll und wer ihn jeweils für einen oder zwei Tage mit nach Hause, zum Sport oder zur Bandprobe nimmt. „Die Schüler haben bei der Umsetzung viel Freiheit“, fährt Gratia Wohlgemuth fort. „Sie sollen entscheiden, was für einen Besucher ihrer Stadt und ihrer Schule besonders interessant ist. So bringen sie ihre ganz persönlichen Lebenswelten ein.“
Twinny zieht durch Hamburg und Umgebung
Man stelle sich dies bildlich vor: Gartenzwerg Twinny vor dem Hamburger Rathaus, beim Einkaufen, beim Sport, beim Wochendausflug und sogar auf einem Motorradfestival. Die Schüler nehmen ihn überall dorthin mit, wo sie ihn gern für ihre eTwinning-Partner ablichten wollten. "Die Leute sind verwundert und manchmal gucken sie komisch, aber das ist uns eigentlich egal", meint dazu Schülerin Marie, 12 Jahre. Es gibt zwar auch Schüler, die Twinny albern finden, doch die Mehrheit der Schüler liebt ihn. Per, Daniel, Miron und Sinan, Schüler der 6b, finden den Gegensatz „Gartenzwerg und Motorrad“ sogar „richtig cool“. „Sie haben damit Aufmerksamkeit erzeugt und sich mit Bikern unterhalten. Von ihrem Ausflug haben sie voller Begeisterung berichtet“, freut sich die Hamburger Lehrerin.
Twinnys Erlebnisse im Online-Tagebuch und per Postkarte
Von jedem Ort machen die Schüler Fotos und schreiben Texte für das Online-Journal. Außerdem schickt jedes Länderteam „seinem“ Land eine Postkarte, geschrieben aus Twinny’s Perspektive. Da steht dann beispielsweise auf Englisch: „Ich bin gut angekommen. Das Wetter ist mal wieder regnerisch. Die Leute sind ganz nett. Gestern war ich am Schalsee. Vorgestern haben wir uns Fußball angeschaut.“ Die Englischlehrerin schätzt den konkreten Bezug zum Alltag: In ihrem eTwinning-Projekt nutzen die Schüler die Fremdsprache ganz selbstverständlich, um sich ihren Partnerschülern mitzuteilen. Die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Berichte zu kommentieren, gibt es ebenfalls im Online-Tagebuch. Genauso wie ein Gästebuch. „Diese Funktionen haben die Schüler jedoch wenig genutzt. Insgesamt wollen wir das Projekt für die nächsten Schülergruppen interaktiver gestalten. Eine Idee ist der Einsatz von Podcasts“, beschreibt sie die Nutzung der Plattform.
Die Öffnung des Klassenraums verändert Sichtweisen
„How is Twinny today? What happened to him?“ Während der „Twinny-Zeit“ beginnt die Unterrichtsstunde gewöhnlich mit diesen Fragen. Das Projekt fügt sich leicht in das Curriculum, denn es geht dabei immer um interkulturelles Lernen, Wortschatzerweiterung und das Verfassen fiktionaler Geschichten. “Mit reellen Menschen zusammen zu arbeiten erzeugt automatisch eine Öffnung des Klassenraums. Für die Kinder und auch für mich als Lehrerin ist es sehr bereichernd zu erfahren, wie unsere europäischen Nachbarn leben und arbeiten und dadurch eigene Sichtweisen zu verändern“, ergänzt Gratia Wohlgemuth die positiven Auswirkungen des Projekts.
Autorin: Bettina Zeidler



